Hatten riesigen Spaß im Sulinger Theater: Besucher der Kulturpreisverleihungs-Feier.
LANDKREIS (sdl) · Käpt'n Kirks kleiner Bruder heißt Kork. Und spricht plattdeutsch - wie Pulle, Spick und Schrotty. Mit "Warp"-Geschwindigkeit rast ihr "Apparatspott" durchs Weltall. Von "Trekkies" genauso bewundert wie von plattdeutsch sprechenden Zuschauern. Weil die Sulinger "Filmemokers", Schöpfer von Kork & Co., ihre Zukunftsstory à la "Raumschiff Enterprise" mit traditioneller plattdeutscher Sprache vergnüglich verbinden, bekamen sie gestern den Kulturpreis des Landkreises Diepholz.
Landrat Gerd Stötzel überreichte die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung gemeinsam mit Brigitte Haase (Vorsitzende des Kulturbeirats) und wies auf eben diese Verbindung zwischen Zukunftsthema, Vergangenheit und Tradition besonders hin. "Filme bewirken etwas", stellte Stötzel fest - und belegte seine These bewusst mit einer tragischen Geschichte. Ein französischer Junge erschoss, einer "plötzlichen Idee" folgend, seine Eltern - nachdem er sich den Animationsfilm "Shrek" angesehen hatte.
Für solche Filme wünschte sich der Landrat ein Verbot - und warb dafür, auf der Leinwand "Vorbildhaftes in den Vordergrund zu stellen". Man könne auch heute noch Filme zeigen, "aus denen kein Blut aus dem Celluloid fließt."
Ein Sternentor wie in "Stargate", eine Kommandobrücke wie auf dem "Raumschiff Enterprise", pfiffige Video-Effekte und herzhaftes "Sulinger Platt" gehören zum Handwerkszeug der "Filmemoker", über deren Arbeit bereits verschiedene Fernsehteams berichteten. Schließlich war auf das erste Abenteuer des "Apparatspott" (dafür gab es im Jahr 2000 den Kulturpreis der Stadt Sulingen) 2003 das "Gerangel in Ruum un Tied" gefolgt. "Episode 3" ist in Arbeit...
Ausschnitte aus den Fernseh-Reportagen sahen die rund 250 Gäste der Kulturpreisverleihungs-Feier im Sulinger Theater, bevor Manfred Scharfe, Redaktionsleiter Plattdeutsch bei NDR Niedersachsen, die Laudatio hielt - natürlich "op Platt". Aber punktuell hatte selbst der Fachmann ein Problem. Denn für "Spaßfaktor" und "kreative Spontaneität" gibt es eben keine niederdeutschen Begriffe.
Jeden der sechs "Filmemoker" - Martin Hermann, Dieter Köper, Karlheinz Hespos, Ralf Vielhauer, Karsten Witte und Detlef Klußmann - charakterisierte Scharfe kurz "op Platt", zeichnete Entwicklungen und Publikumsresonanz nach.
Für Scharfe war die Symbiose aus Zukunftsmärchen, moderner Technik und althergebrachter Sprache gelungen; mehr noch: für ihn ein großer Schritt auf dem Weg, diese Sprache und junge Menschen zusammen zu bringen: "Dat Experiment, een modernen Stoff in een modern Medium op Platt to verarbeen is bispeelhaft, is een Wert in sick, een groden Padd op den langen Weg, jung Lüüd und Plattdüütsch tosamen to bringen."
Keiner der "Filmemokers" habe vorgehabt, "een moralphilosophisch-psychologische emanzipationsorientierte Avhandlung op Video to bannen", hielt Scharfe Kritikern entgegen, die zu viel Klamauk und Klamotte in dem Film witterten.
Die Gäste hatten ihren Spaß während des 20-minütigen Zusammenschnitts aus "Gerangel in Ruum un Tied", der im Anschluss an die Laudatio zu sehen war. Frei nach dem Motto: "Straahl mi daal, Schrotty!" [01.11.2004]