Platt: Vital, modern und cool
Sulinger Kreiszeitung vom 14.06.2005:
Uni empfiehlt Film-Einsatz in Schulen
Birte Arendt, Detlef Klußmann, Ralf Vielhauer und Alex Design beim Signieren. Foto: privat Platt: Vital, modern und cool
Uni empfiehlt Film-Einsatz in Schulen
SULINGEN (sis) · Vielleicht müsste man Platt als Wort und auch "Niederdeutsch" ersetzen durch positivere Begriffe. Viele Menschen haben immer noch die Vorstellung von Plattdeutsch als "altem Hut", der nur für "schwankhafte und volkstümliche Gemütlichkeit" diene. Birte Arendt hält dagegen: "Plattdeutsch lebt - und das mit jungen Menschen, die sich engagieren."
Arendt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft mit dem Schwerpunkt Niederdeutsch an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.
Und als Initiatorin der Vortragsreihe "Wat de jungen Lüd in'n Kopp hebben. Nachwuchsforschen im Niederdeutschen" Gastgeberin für die "Filmemoker" aus Sulingen. Deren "Apparatspottfilme" erfreuen vornehmlich das junge Publikum. Die Filme zeigen, dass selbst Helden aus dem Raumschiff so "schnacken doon": "Die Sprache lebt und wandelt sich, muss sich der Herausforderung neuer Technologien stellen", argumentiert Arendt. Sie ist der Meinung, dass die Begriffe Jugend/Jugendlichkeit und Niederdeutsch durchaus "ein passendes Wortpaar" bilden und sich "in keinster Weise ausschließen". Im Gegenteil: Die Sprachwissenschaftler an der Uni Greifswald wollen zeigen, dass Plattdeutsch vital und modern ist. Aber auch klären, wieviel Wandel möglich ist, damit es trotzdem eine eigenständige Sprache bleibt, damit das Niederdeutsche eben nicht zu einem Hochdeutsch wird. "Unser erklärtes Ziel ist es, der negativen Vernichtungstendenz des Plattdeutschen mit unseren jährlichen Vortragsreihen eine positive Aktion entgegenzusetzen", gibt sich Birte Arendt kämpferisch. Deshalb bescheinigten die Uni-Forscher den "Filmemokern" auch "Schultauglichkeit": "An die umliegenden Schulen haben wir entsprechende Empfehlungsschreiben verschickt", berichtet Birte Arendt. "Wir sehen in dem von den 'Filmemokern' eingeschlagenen Weg genau den richtigen Ansatz, auch junge Leute für die plattdeutsche Sprache zu begeistern und diese wieder populär zu machen."
Das unbedingte Muss der "Filmemoker", "up Platt" zu drehen, erklärten Detlef Klußmann und Ralf Vielhauer gerne in persönlichen Gesprächen vor Ort in Greifwald. Beobachtet wurden sie dabei in der voll besetzten Stadtbibliothek nicht nur von den Studierenden, sondern auch von den Kollegen der Ostsee-Zeitung und dem lokalen Fernsehsender. Der zweite "Apparatspott"-Film sorgte für beste Unterhaltung - und für einen nordischen Lückenschluss: Immerhin haben bereits fast 12000 Kinobesucher in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen die Werke gesehen. Jetzt wird also auch Mecklenburg-Vorpommern über die Weltraumabenteuer "up Platt" informiert. Und am 20. Juni lädt das Cinemaxx Hannover zur "Apparatspott-Nacht" in ihren größten Saal. Gezeigt werden im Beisein der Filmemoker beide Folgen.
14.06.2005-- 14:06:47 von: de modin